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Shifting Perspectives **** Das Kulturblog

Posted on 16. Mai 2018by Konrad Kögler

Das beschauliche Wilmersdorf ist nicht gerade für seine Clubkultur bekannt. Für eine knappe Stunde änderte sich das am späten Dienstag Abend. Annalyzer, Kieron Jina, Nico de Rooij, Djana Covic, Mbali Mdluli und Antje Schupp enterten mit „Pink Money“ die Unterbühne des Hauses der Berliner Festspiele.

Die Performance, die in Johannesburg und Basel entwickelt wurde, ist der krönende Abschluss der „Shifting Perspectives“, die kalendarisch ins Zentrum der 10er-Auswahl verpflanzt wurden, aufmerksamkeitstechnisch aber ein Rahmenprogramm darstellen. Im Publikum dominierten die MitarbeiterInnen des Theatertreffens, die Teilnehmerinnen des Internationalen Forums und des tt-Blogs, die an ihren jeweiligen Akkreditierungen zu erkennen waren.

Die Performerinnen und Performer legten sich mächtig ins Zeug. Zu den lautstarken Beats aus den Boxen streiften sie durch das Publikum, verteilten Schnaps und brachten die Zuschauerinnen und Zuschauer mit Tanzeinlagen in Stimmung. Die bunte Party hatte natürlich auch eine ernste Botschaft. In den Pausen zwischen den Showeinlagen reflektierten die Performerinnen und Performer über sichere Häfen für LGBTI und über den Kommerz in der queeren Party-Community. Antje Schupp berichtete über die Angst vor homophoben Übergriffen, als sie mit ihrer Freundin nachts auf dem Heimweg durch Wien verfolgt wurde. Die anderen Performerinnen und Performer erzeugen durch lautes Pfeifen, das aus mehreren Ecken kommt, und aggressive Sprüche eine bedrohliche Atmosphäre. Der Südafrikaner Kieron Jina, der einen Zuschauer mit einem professionellen Lapdance überraschte, erzählte von den Angeboten weißer Touristen, die ihm gegen Sex ein Leben im Wohlstand versprechen. Mbali Mduli, die ebenfalls aus Südafrika stammt, beklagt sich über die rassistische Gewalt eines Vermieters, die sie und eine Kollegin während eines Festivals in Rotterdam erlebt hat.

„Pink Money“ gelang es sehr gut, die Balance zwischen der selbstbewussten Feier von Diversität und Lebensfreude und dem Behandeln ernster Themen zu halten.

nico de rooij